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Das Private ist politisch

Das Private ist politisch – immer noch

Bei meinen Seminaren geht es bei weitem nicht immer nur um berufliche Themen. Häufig werde ich auch auf Probleme in der Partnerschaft angesprochen und nach Lösungen gefragt. Eines der brennendsten Themen ist dabei die Verteilung der familiären Aufgaben. Frauen tun sich noch immer schwer, von ihren Männern mehr Beteiligung einzufordern. Das liegt auch daran, dass sie, sobald ein Kind da ist, schnell wieder in finanzielle Abhängigkeit geraten. Es sei denn, sie arbeiten weiterhin Vollzeit – und dann sieht die Aufgabenverteilung so aus: Die Frau erledigt neben dem Beruf die doppelte Menge an Hausarbeit und das Dreifache an Kinderbetreuung. Der Mann strampelt sich derweil im Beruf ab, da er in den meisten Fällen mehr Geld nach Hause bringt. Dabei würde er vielleicht sogar gerne mehr Zeit mit der Familie verbringen. Letztlich verbringen manche Paare ganze Abende damit, sich gegenseitig aufzurechnen, wer von ihnen am meisten geleistet hat.

Wenn die Kinder schon groß sind, fragen sich Frauen oft, wo sie selbst eigentlich geblieben sind. Ihre eigenen Bedürfnisse haben sie aus dem Blick verloren. Wenn die Frauen dann ihr ganzes Leben in Frage stellen, kann das sogar zur Trennung führen. Nicht zuletzt deshalb, weil die Männer sie auch emotional im Stich lassen und von ihren Problemen nichts hören wollen. Das sage ich nicht, weil ich irgendetwas gegen Männer hätte, sondern weil ich es von den Frauen immer wieder höre. Dabei könnte alles viel besser laufen, wenn es in den Partnerschaften gerechter zuginge.

Den Frauen rate ich meist: Stecken Sie beruflich nicht zurück. Wenn Sie nicht angemessen verdienen, fordern Sie vom Arbeitgeber mehr Gehalt, damit Ihr Partner nicht zwangsläufig mehr arbeiten muss. Setzen Sie sich mit Ihrem Mann an einen Tisch und lassen Sie ihn nicht mit fadenscheinigen Argumenten davonkommen. Selbst in Führungsetagen lässt sich Familienzeit organisieren. Geben Sie sich nicht mit Mini-Schritten zufrieden. Denn große Schritte einzufordern, ist dann noch schwieriger als zuvor.

Den Männern versuche ich einzuschärfen: Hören Sie sich gegenseitig zu, zeigen Sie Wertschätzung für die Leistung des anderen. Nur wenn beide Partner bereit sind, die Aufgaben so zu verteilen, wie es ihren Bedürfnissen entspricht, werden sie sich auf lange Sicht respektvoll begegnen können.

Ganz wichtig ist auch: Vergessen Sie persönliche Freiräume nicht! Ein Grund dafür, dass es im Privaten manchmal hakt, ist der mangelnde Ausgleich. In einer Partnerschaft sollte jeder weiterhin die Möglichkeit haben, Sport zu treiben oder sich mit Freunden zu treffen.

Anscheinend ist es immer noch so, wie schon die alten Spontis deklamierten: Das Private ist politisch. Aber nicht alles kann die Politik für uns regeln. In diesem Fall müssen wir die Dinge schon selbst in die Hand nehmen.

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