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Nur keine falsche Bescheidenheit

huffingtonpost.de | 16.06.2015

"Gleiches Geld für gleiche Arbeit": Das klingt so einfach wie "Wasser ist nass". Meinen Sie vielleicht, ist es aber anscheinend nicht. Vor allem suggeriert die plakative Forderung, es drehe sich nur um gleiche Bezahlung.

Dass aber auch gleiche Arbeit noch nicht der Normalfall ist, wird dabei übersehen. Der Durchschnittsverdienst der Frauen fällt auch deshalb geringer aus, weil mehr Männer als Frauen die lukrativen Plätze an der Karrieresonne ergattern, obwohl sie in vielen Fällen nicht besser qualifiziert sind als ihre Kolleginnen.

Die Gründe dafür sind vielschichtig und liegen unter anderem an den Unternehmensstrukturen, die bisher oft eine eingebaute Männervorfahrt haben. Meistens ist diese Vorfahrt keine offizielle.

Im Gegenteil, viele Unternehmen haben bereits erkannt, dass Frauen wertvolle Führungskräfte abgeben und würden gerne mehr Mitarbeiterinnen nach vorne bringen.

Hier stehen Frauen sich jedoch häufig selbst im Weg: Denn ausgebremst werden sie nicht nur durch männliche Spielregeln, sondern auch durch falsche Bescheidenheit.

Während Männer bei einer Beförderung als erstes nach einem größeren Firmenwagen fragen, wollen Frauen wissen, ob man ihnen die neue Aufgabe wirklich zutraut.

Die Mentalität entscheidet

Bei Gehaltsverhandlungen ist es ähnlich. Männer gehen viel selbstverständlicher in solche Gespräche. Sie glauben fest daran, sich nur zu holen, was Ihnen sowieso zusteht.

Natürlich können Vorgesetzte nicht zu allem Ja und Amen sagen, doch sie nehmen ihre männlichen Mitarbeiter ernst. Mitarbeiterinnen gegenüber ist das leider nicht immer so.

Da wird gern einmal vertagt und unter allerlei Vorwänden abgewimmelt. Hier gilt unbedingt, dass Sie sich nicht ins Bockshorn jagen oder auf den Sankt Nimmerleinstag vertrösten lassen sollten.

Doch vor der Gehaltsverhandlung und der dazu passenden Taktik muss zuerst die Mentalität stimmen - und da torpedieren sich Frauen mit falschen Glaubenssätzen oft selbst:

  • Ich arbeite doch gern: Müssen sich Spaß und angemessene Bezahlung ausschließen? Wenn Sie motiviert arbeiten, leisten Sie mehr und sollten dafür honoriert werden.
  • Geld ist mir nicht so wichtig: Das Gehalt nicht nur Bezahlung für Arbeit. Es ist auch eine Wertschätzung für Ihre Leistung. Wenn Sie schlechte Bezahlung hinnehmen, schätzen Sie sich selbst nicht genug.
  • Die Chefs werden schon wissen, was angemessen ist: Das stimmt meistens. Es bedeutet aber nicht, dass sie Ihnen im Unternehmen freiwillig Geld hinterhertragen.
  • Im Moment ist die Lage vielleicht schlecht: Geradezu klassisch - sich den Kopf des Vorgesetzen zu zerbrechen. Aber was geht und was nicht, sollten nicht Sie, sondern Chef oder Chefin entscheiden.
  • Man muss doch sehen, was ich leiste: Mag sein. Doch muss Ihr Vorgesetzter das ungefragt vergolden?
  • Meine Berichte dokumentieren doch meine Leistung: Papier ist geduldig. Wenn es ums Gehalt geht, muss es mündlich und direkt sein.
  • Ich rede nicht gern über Geld: Gehen Sie gern zum Zahnarzt? Nein, aber Sie tun es. Regelmäßig. Und das gute Gefühl danach ist unbezahlbar.

Unbedingt gemocht werden zu wollen, ist ein weiteres, oft unausgesprochenes Bremsmotiv. Die diffuse Angst, sich unbeliebt zu machen, verhindert das Halali auf die Firmenkasse, obwohl gute Bezahlung bei guter Leistung eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein sollte.

Männer, um es ganz offen zu sagen, sind da nicht so kompliziert. Für die meisten von ihnen ist Verhandeln ein Mittel, sich zu messen - eine Kraftprobe, die viele Männer lieben. Von deren Jagdfieber sollten Sie sich etwas abschauen.

Dass Geld unsexy macht, stimmt leider auch in gewisser Weise. Brutal gesagt, macht ein hohes Einkommen unattraktive Männer oft schöner, aber raubt Frauen in männlichen Augen einen Teil ihres Reizes. Doch wollen Sie Ihre finanzielle Unabhängigkeit opfern, nur weil Ihr Lebensgefährte ein Problem damit haben könnte, dass Sie mehr verdienen als er?

Auf keinen Fall: Männer müssen einfach umdenken lernen. Warum können sie nicht uneingeschränkt stolz sein, dass ihre Partnerin beruflich erfolgreich ist?

Sieben Regeln für den Gehaltsolymp

Wenn Sie einen Fahrplan von sieben Regeln befolgen, stehen Ihre Chancen gut, bald wirklich zu verdienen, was Sie verdienen. Machen wir uns nichts vor: Das eine oder andere könnte zu Anfang Überwindung kosten.

Wenn Sie es aber einmal gewagt und Erfolg damit gehabt haben, werden Sie sich zukünftig viel leichter tun.

1. Aktiv werden!
Kaum ein Chef schüttet freiwillig das Füllhorn aus. Alle zwölf bis achtzehn Monate sollten Sie nach einer Gehaltserhöhung fragen. Im anderen Fall könnte Ihr Chef sogar denken, dass Sie zu wenig leisten oder sich nichts zutrauen. Passen Sie für das Gespräch einen Zeitpunkt ab, an dem Sie Erfolge vorzuweisen haben.

2. Seien Sie vorbereitet!
Sammeln Sie Argumente für Ihre Gehaltssteigerung, etwa ein abgeschlossenes Projekt oder Neuerungen, die Sie eingeführt haben. Gibt es Zahlen, die untermauern, was Sie für das Unternehmen geleistet haben? Verzichten Sie verbal auf einen Kollegenvergleich. Viele Chefs stehen nicht darauf, dass Mitarbeiter sich über ihre Gehälter austauschen. Bleiben Sie bei sich und Ihren Leistungen.

3. Finden Sie klare Worte!
Was würden Sie als Chefin denken, wenn eine Mitarbeiterin zu Ihnen sagen würde: „Ich fände es gut, wenn ich irgendwann demnächst so 5 Prozent mehr bekommen könnte." Würden Sie diese Frau ernst nehmen? Ein echtes Gegenüber wird sie erst, wenn sie ihren Gehaltswunsch deutlich formuliert: „Ich stelle mir fünf Prozent mehr vor." So wird aus der unsicheren Bitte eine selbstbewusste Forderung.

4. Verhandeln Sie geschickt!
Sie kennen das sicher vom Flohmarkt: Wer einen angemessenen Preis für seine Ware erzielen will, beginnt mit einer hohen Zahl und lässt sich dann langsam herunterhandeln. Setzen Sie Ihren Gehaltswunsch etwas höher an. Dann haben Sie einen Spielraum, um Ihrem Verhandlungspartner entgegenzukommen.

5. Orientieren Sie sich an männlichen Gehältern!
Da Frauen meistens zu wenig verdienen, wäre es ein Fehler, deren Gehälter als Orientierungshilfe zu nehmen. Schauen Sie nach den Männern: Die wissen meist, was sie wert sind und fordern es ein. Mit dieser Info im Hinterkopf gehen Sie anschließend zum Chef, OHNE sie ihm unter die Nase zu reiben.

6. Fallen Sie nicht auf Psychotricks herein!
Vorgesetzte und Personaler beherrschen alle Kniffe, um Sie im Gehaltsgespräch aus der Bahn zu werfen. Man argumentiert, dass Ihre Forderung überzogen oder die Firma derzeit nicht auf Rosen gebettet ist. In dem Fall hilft es, auf die Gehaltstruktur im Branchenvergleich verweisen zu können - und wieder auf Ihre eigene Leistungen, die das Unternehmen wirtschaftlich nach vorn gebracht haben.

7. Bleiben Sie dran!
Manchmal helfen die besten Argumente nicht und der Chef bleibt hart. Dann geben Sie nicht auf: Kommen Sie nach einigen Monaten erneut auf ihn zu und vereinbaren einen Gesprächstermin. Vielleicht haben Sie bis dahin sogar neue Ergebnisse vorzuweisen, die für den entscheidenden Erfolg sorgen? Diese sieben Regeln gelten natürlich nicht nur für Frauen. Männer verhandeln allerdings eher intuitiv und benötigen einen solchen Fahrplan nicht unbedingt. Was ihnen an Resultaten fehlt, machen sie mit einem selbstbewussten Auftritt wieder wett. Frauen tun gut daran, sich ihre Ergebnisse bewusst zu machen, um diesen Leistungskatalog anschließend gezielt einzusetzen. Das überzeugt am Ende nicht nur den Chef, sondern zunächst einmal Sie selbst, dass sie die Gehaltserhöhung auch wirklich verdienen. Sie werden sehen, es funktioniert.

Lautstark statt kleinlaut: Durchboxen auf der Karriereleiter

Was noch bleibt, ist die Frage gleicher Arbeit. Sobald eine Aufstiegschance im Unternehmen publik wird, stehen die Männer beim Chef Schlange - ob sie es drauf haben oder nicht. Wenn Sie sich als Frau nur kleinlaut einreihen, haben Sie kaum eine Chance.

Leider gewinnen die Lautsprecher viel zu oft gegen die Leisetreter. Können Sie allerdings jederzeit belegen, welch gute Arbeit sie abliefern, gewinnen Sie zusätzlichen Mut, sich durchzuboxen. Und am Ende haben Sie nicht nur gleiches Geld für gleiche Arbeit, sondern sogar mehr Geld für einen noch besseren Job.

www.huffingtonpost.de

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