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Schlechte Verlierer

Männer können nicht verlieren

Zugegeben: Die Headline ist etwas zugespitzt. Es gibt selbstverständlich auch Frauen, die sich schwarz ärgern, wenn sie den Kürzeren ziehen. Das Thema, über das ich eigentlich sprechen möchte, ist: Männer können nicht GEGEN FRAUEN verlieren! In ihren Köpfen spukt immer noch herum, dass Frauen von Natur aus unterlegen sind. Gegen sie zu verlieren, ist für echte Männer darum eine nur schwer zu überwindende Schmach.

Die gefühlte Überlegenheit zeigt sich schon im Kindesalter. In der spannenden ZDF-Dokumentation „No more boys and girls“ von Collien Ulmen-Fernandes konnte man sich davon überzeugen: Schuljungen erzählten freimütig, dass es ihnen peinlich wäre, mit „Mädchenspielzeug“ zu spielen. Die Mädchen dagegen müssen sich nicht schämen, wenn sie z. B. auf Fußball stehen. Sie gelten meist sogar als cool, wenn sie sich für eher „jungenhafte“ Themen begeistern.

Es steckt also ein handfestes, kulturelles Problem dahinter, wenn ein Gerhard Schröder nach seiner verlorenen Wahl gegen Angela Merkel in der Elefantenrunde verkündet, nur er sei in der Lage, eine stabile Regierung zu bilden. Aber wir müssen gar nicht so weit zurückgehen. Denken wir an die Wahl von Annegret Kramp-Karrenbauer zur CDU-Vorsitzenden. Was wurde danach nicht alles von den Friedrich Merz-Anhängern verbreitet: Das Mikrofon von Merz sei leise gestellt worden bei seiner Rede, in der Parteitagshalle hätten sie keinen Wahlkampf mehr machen dürfen, und das Team von Kramp-Karrenbauer habe unvorteilhafte Geschichten über Merz verbreitet. Nur einer war in keinster Weise verantwortlich für das Wahlergebnis: der Kandidat selbst.

Dieses Verhalten ist ganz typisch. Die Männer, die sich meist besser und fähiger einschätzen, als sie in Wirklichkeit sind (auch das konnte man bei den Schuljungs im Fernsehen beobachten), werden unsanft aus ihrer Größenphantasie herausgeschubst. Gerade wenn das in Lebensbereichen geschieht, über die sich die Männer definieren – also meistens im Job –, schaffen sie es oft nicht, ihre Niederlage einzugestehen. Stattdessen zeigen sie mit dem Finger auf andere und versuchen, Außenstehende für ihre Fehler verantwortlich zu machen. Dabei wäre es weitaus sympathischer, wenn sie über ihren Misserfolg und ihre Enttäuschung reden würden.

Wie sollen sich Frauen verhalten, die mit so einem schlechten Verlierer konfrontiert sind? Ihnen selbst fällt es meistens leichter, Niederlagen zu verwinden, weil sie eher zu niedrige als überhöhte Erwartungen an sich haben. Und sie sind zu Recht irritiert, wenn Männer sich so irrational verhalten. Oft sind sie zu baff, um direkt zu reagieren, wie Angela Merkel damals angesichts des polternden Wahlverlierers Schröder.

Ich rate Ihnen dringend, schon vorab auf Ihre inneren Glaubenssätze zu achten. Lassen Sie sich nicht ausbremsen von der Befürchtung, dass Ihr Kollege womöglich beleidigt auf Ihre Beförderung reagieren wird. Und wenn es wirklich so kommt: Bleiben Sie souverän und begegnen Sie dem hadernden Verlierer mit Größe. So gehen Sie gleich doppelt als Siegerin vom Platz. Direkte Vorwürfe oder üble Nachrede müssen Sie sich aber nicht gefallen lassen. Weisen Sie den Mann entschieden in seine Schranken, wenn nötig auch mithilfe eines Vorgesetzten.

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