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Versöhnen statt verhöhnen

Versöhnen statt verhöhnen

Kürzlich wurde ich auf einen Hashtag bei Twitter aufmerksam, der mich wirklich aufgebracht hat: #MenAreTrash. Um es kurz zu machen: Nein, ich finde es nicht sinnvoll, sprachliche Abwertungen, die Frauen täglich erfahren, jetzt den Männern mit gleicher Münze heimzuzahlen. Im Gegenteil: Ich bin ausdrücklich für eine Aussöhnung der Geschlechter.

Es ist bekannt, dass Männer sich neu orientieren müssen. Sie finden ihre Identität nicht mehr darüber, harte Kerle mit toughen Berufen zu sein. Ebenso von gestern ist der alleinige Familienversorger. Der amerikanische Bestsellerautor Lewis Howes hat gerade ein Buch veröffentlicht, in dem es um Männer und ihre Masken geht, die auf den üblichen Stereotypen gründen: Sie sollen handwerklich geschickt sein, gut im Sport oder zumindest viel darüber wissen, überhaupt in allen Bereichen Experte sein und keine Emotionen zeigen.

Dabei sollte es Männern eigentlich gar nicht so schwer fallen, sich in neue Rollen einzufinden: Schließlich gilt es allgemein als lobenswert und sympathisch, wenn sich Väter verantwortlich für ihre Kinder fühlen, wenn sie Gefühle zeigen und zu ihren Schwächen stehen. Sogar die Marke Gillette, die sonst mit knallharten Fußballprofis wirbt, setzt jetzt auf den neuen Mann. „Immer nur den coolen Typen spielen, können wir nicht“, heißt es im neuen Spot. Dazu trägt ein Mann seine kleine Tochter auf den Schultern und lässt sich von ihr in die Nase kneifen, später reicht er als Trauzeuge seinem Freund den Ring. „Wir sind immer da, wenn man auf uns zählt.

“ Für Frauen dagegen ist es oft weniger angenehm, sich gegen bestehende Rollenklischees zu stemmen, denn sie gelten schnell als bossy, karrieregeil oder Rabenmutter.

Trotzdem: Es sollte nicht darum gehen, wer es schwerer hat. Beide, Frauen und Männer, sind im Aufbruch, und da hilft es nicht, sich gegenseitig in den Boden zu stampfen. So wie bei #MenAreTrash: Unter dem Hashtag sollten eigentlich Sexismus und Gewalt gegen Frauen angeprangert werden. Stattdessen reden sich die Follower die Köpfe heiß über den polarisierenden Namen und die Fronten verhärten sich weiter.

Dagegen schlägt der Journalist Hajo Schumacher in seinem neuen Buch „Männerspagat“ einen versöhnlichen Weg ein. Männer, so fordert er, mögen Frieden schließen mit sich selbst und mit anderen Männern und Frauen. Dieses Angebot sollten auch wir Frauen annehmen. So wichtig es auch manchmal ist, die eigenen Interessen klar zu vertreten, so wichtig ist es auch, in den Männern Verbündete zu finden. Denn wenn wir nicht endlich am gleichen Strang ziehen, werden wir weiterhin in Sachen Gleichberechtigung nur in Trippelschritten vorankommen.

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