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Einsamkeit

Weibliche Stärken gegen Einsamkeit

Einsamkeit macht krank und ist verbreiteter als wir denken – diese Botschaft hören und lesen wir gerade allerorten. Das Thema ist so drängend, dass die Engländer sogar eine Ministerin für Einsamkeit eingesetzt haben, die dieser Entwicklung entgegen wirken soll. In Deutschland gibt es bereits ähnliche Überlegungen. Es ist offensichtlich: Die Vereinzelung der Gesellschaft schreitet voran, und das betrifft längst nicht nur ältere Menschen, die nach und nach immer mehr Freunde und Verwandte verlieren. Auch junge Leute klagen vermehrt über Einsamkeit, was unter anderem auch damit zusammenhängt, dass sie zunehmend digital und weniger direkt miteinander kommunizieren. Auch große Entfernungen zu Familie und Freunden, knappe finanzielle Mittel und zu wenig Freizeit können Gründe sein. Das hat eine aktuelle Parship-Studie ergeben. Ihr zufolge fühlt sich mehr als jeder zehnte Deutsche häufig einsam. Frauen sind mit 45 Prozent weitaus öfter betroffen als Männer (36 Prozent).

Abhilfe schaffen sollen – auch wenn es widersprüchlich klingt – spezielle Apps wie „Sam“, die im Sommer an den Start gehen wird. Sie sollen Menschen aus der Einsamkeit herausführen, indem sie ihnen passende Events und Aktivitäten vorschlagen, je nachdem wieviel und welche Art von Gesellschaft sie sich wünschen. Wie gut das funktioniert, wird sich mit der Zeit erweisen. Aber natürlich sind bei diesem Problem nicht nur die App-Entwickler gefragt, sondern auch die Unternehmen. Denn auch im Berufsleben können sich Menschen ausgegrenzt fühlen und zu wenig Aufmerksamkeit und Wertschätzung bekommen – ein Aspekt, der bei dem Thema meiner Meinung nach zu selten behandelt wird. Einsam sein kann man auch mit vielen Leuten um sich herum, vor allem wenn man den Eindruck hat, keine Verbindung zu ihnen aufbauen zu können. Und das ist leider auch in Unternehmen, Büros und Teams manchmal der Fall. Für die Arbeitgeber ist das alarmierend, denn wer sich isoliert fühlt, wird sich immer mehr zurückziehen, häufiger krank sein und ist von der inneren Kündigung nicht weit entfernt.

Gefragt sind in diesem Fall die Führungskräfte. Ihre Aufgabe ist es, zu erkennen, wenn Mitarbeiter sich absondern und zu Außenseitern werden. Dann kann es hilfreich sein, das Gespräch mit dem Betroffenen oder seinen Kollegen zu suchen, um für einen besseren Teamzusammenhalt zu sorgen. Erfolgreich sein wird hier jedoch nur, wer viel Einfühlungsvermögen und Fingerspitzengefühl an den Tag legt – Attribute, die eher weiblichen Vorgesetzten zugeschrieben werden. Da sich Frauen selber häufiger einsam fühlen, werden sie vermutlich auch schneller erkennen, wer gefährdet ist und entsprechend reagieren können. Es ist also wohl kein Zufall, dass eine Frau das Ministerium für Einsamkeit übernommen hat. Auch die „Sam“-App wurde von einer Frau entwickelt wurde. Das soll natürlich nicht heißen, dass Männer sich bei dem Thema nicht zuständig fühlen müssen. Vielmehr wird es höchste Zeit, entsprechende Skills auszubauen. Denn wer Einsamkeit bekämpfen will, wird es ohne weibliche Stärken nicht schaffen.

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